Geschichtsverein Griesheim e. V.

Straßennamen

Hartmannsweilerstraße

Hartmannsweilerstraße, Blick Richtung "Chemisch" um 1915

Parallel zur Straße „Alt-Griesheim“ durchzieht die Hartmannsweilerstraße den alten Ortskern unseres Stadtteils von West nach Ost. Es dürfte sich bei dem westlich der Alten Falterstraße gelegenen Teil um die drittälteste Straße Griesheims handeln. Bis zur Eingemeindung Griesheims nach Frankfurt trug dieser Teil der Straße die Bezeichnung „Neustraße“ – „die neue Straße“ nach der Hauptstraße und der Falterstraße.
Auch östlich der Alten Falterstraße entwickelte sich einstmals eine Straße, die nach Osten führte und genau in der Flucht der damaligen Neustraße lag: die „Frankfurter Straße“. Beide Straßen waren an der Stelle zwischen dem heutigen Griesheimer Reisebüro und dem Rewe-Markt durch ein Wohnhaus voneinander getrennt, dem sogenannten „Conradschen Haus“. Als dieses 1928 abgebrochen wurde, konnten die beiden Straßen miteinander verbunden werden.
Benannt werden sollte die nun zusammenhängende Straße nach Benno Schubert, dem letzten Bürgermeister der Gemeinde Griesheim am Main vor der Eingemeindung nach Frankfurt. Da man jedoch eine Verwechslungsgefahr mit dem bekannten Komponisten Robert Schumann befürchtete, trug die Straße zeitweilig den Namen „Bennostraße“ – das Wort „Schubert“ im Straßennamen ließ man einfach weg. In der Tat eine kleine Kuriosität!
Im Jahre 1933 wurde die Straße in Hartmannsweilerstraße umbenannt. Sämtliche Namen sozialdemokratischer und kommunistischer Politiker verschwanden aus dem Stadtbild Frankfurts. Nachdem die meisten dieser Straßen im Oktober 1945 größtenteils ihre alten Namen wieder zurückerhielten, blieb es in unserem Fall jedoch beim Namen „Hartmannsweilerstraße“.
Die Namensgebung „Hartmannsweilerstraße“ durch die Nationalsozialisten beruht auf einem angeordneten „Heldengedenken“ an die Teilnehmer des Ersten Weltkriegs, die am Hartmannsweilerkopf während vier Jahren grausamer Gefechte ihr Leben lassen mussten.
Der Hartmannsweilerkopf, die südlichste Erhebung der Vogesen und 956 Meter hoch, war im Ersten Weltkrieg einer der am heftigsten umkämpften Bergrücken an der Westfront in Frankreich. Vom 30. Dezember 1914 bis zum Waffenstillstand am 11. November 1918 kamen in den mörderischen Angriffen und Stellungskämpfen mindestens 14.500 französische und mindestens 12.500 deutsche Soldaten ums Leben. Das erklärt die heute noch immer gebräuchliche französische Bezeichnung „mangeur d´hommes“ – Menschenfresser. Von Dezember 1914 bis Januar 1916 wurde der Gipfel sieben Mal von beiden Armeen erobert und wieder zurückerobert.
Anschließend kam es zum Stellungskrieg, der weitere zwei Jahre und zehn Monate dauerte. Heute kann das ehemalige Schlachtfeld erwandert werden. Am Eingang zur nationalen Gedenkstätte befindet sich eine Krypta mit Museum. Noch immer sind die alten Stellungen beider Armeen begehbar. Vom Gipfel aus schweift der Blick über das Rheintal bis hinüber zum Kaiserstuhl im südlichen Baden-Württemberg.