Geschichtsverein Griesheim e. V.

Geschichtliches

Kurzer Einstieg

Wie seine Nachbarstadtteile auch, findet Griesheim seine Ersterwähnung im Lorscher Codex um 830 als Königsgut „Greozesheim“. Eine wechselvolle Herrschaftsgeschichte prägt den Werdegang des Ortes im Mittelalter. Nicht mehr als ein kleiner beschaulicher Weiler, untersteht Griesheim der Grafschaft Bornheimer Berg, später den Grafen von Hanau, dann Kurmainz, anschließend dem Herzogtum Hessen-Nassau, und nach dessen Besetzung dem Königreich Preußen.
Immer wieder ist die Existenz Griesheims durch kriegerische Ereignisse und Plünderungen gefährdet. Am 15. Dezember 1813 gar berichtet der Amtmann von Höchst: “Ich erwähne der armen Orte Nied und Griesheim kaum, denn sie sind ja verlassen und existieren leider nicht mehr.“
Der rasante Aufstieg Griesheims zum bedeutenden Industrieort am Untermain beginnt bereits im Jahre 1823, als der jüdische Kaufmann Nathan Trier die erste Manufaktur im östlichen Teil der Gemarkung errichtet. Das später als Wachstuchfabrik bekannte Unternehmen existiert über 150 Jahre und beschäftigt schließlich mehrere Hundert Angestellte und Arbeiter.
Im Jahre 1856 folgt die Gründung der „Frankfurter Actiengesellschaft für landwirthschaftlich-chemische Fabrikate“ mit Sitz in Griesheim, später als Hoechst AG Werk Griesheim bekannt. Bahnbrechende Erfindungen machen den Namen Griesheim weltbekannt. Ignatz Stroof entwickelt 1888 die Chloralkalielektrolyse, die auf der Chicagoer Weltausstellung 1892 großes Aufsehen erregt. Zehn Jahre später erfindet Ernst Wiss das autogene Schweißen und Schneiden, zwei Techniken, die auch in neuester Zeit nicht mehr wegzudenken sind. Dem Chemiker Fritz Klatte gelingt 1912 der Durchbruch auf dem Gebiet der PVC-Forschung.
Bedingt durch die ansässigen Industriebetriebe wächst Griesheim 1913 zur größten Landgemeinde Hessen-Nassaus heran. Die Welle der Eingemeindungen nach Frankfurt im Jahre 1928 macht auch vor Griesheim nicht halt. Fortan ein Frankfurter Stadtteil unter vielen, geht das Leben beschaulich und bescheiden weiter. Der Bau der Staustufe Griesheim 1919-1932 sowie die Errichtung der ersten Autobahnbrücke 1936 stellen wichtige Ereignisse dar. Schlimmen Zeiten sieht die Bevölkerung ab 1943 entgegen, als die Luftangriffe der Alliierten immer mehr zunehmen. Die vor den Angriffen ungeschützten Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter in mehreren Lagern weisen ebenfalls unzählige Opfer auf.
Zu Kriegsende ist Griesheim der am drittstärksten zerstörte Bezirk Frankfurts. Im Anschluß an den Wiederaufbau entstehen mehrere Großsiedlungen in der Kiefernstraße, im Schwarzerlenweg und an der Mainzer Landstraße. Die Bevölkerungszahl steigt auf 22.000 Einwohner, wobei sich Griesheim immer mehr zur Schlafstadt entwickelt. Die großen Industriebetriebe verlieren an Bedeutung oder verschwinden vollkommen aus dem Ortsbild.
Heute wird das kulturelle Leben im Stadtteil von zahllosen Vereinen am Leben gehalten, von denen über 50 im Vereinsring Griesheim organisiert sind. Eine ansprechend angelegte Uferpromenade, an der jährlich das Griesheimer Mainuferfest stattfindet, lädt zum Flanieren ein. Nachdem Griesheim in den vergangenen Jahren als „Problemstadtteil“ bundesweit Schlagzeilen machte, darf es sich heute wieder als aufstrebender Stadtteil bezeichnen, dessen weitere Entwicklung durch den neu aufkeimenden Zusammenhalt der Einwohner bestimmt wird.